Theater in der Grundschule an der Marie

 Recherche mit 6. Klasse im Pergamon Museum für das Theaterstück BESCHÜTZER DER DIEBE 2015 GS an der Marie, Regie / Leitung: Sofie Hüsler

Mit uns haben sie immer Theater! Theater von Anfang an!!

Regelmäßige Theaterprojekte sind fester Bestandteil in den Jahresplänen der Grundschule an der Marie. Jeder Schüler und jede Schülerin spielen in der gesamten Grundschulzeit in fünf professionell betreuten Stücken mit, die im Klassenverband entwickelt werden. Seit 2007 leitet Sofie Hüsler, BuT-Theaterpädagogin und Schauspielerin, die Theaterprojekte in der Grundschule an der Marie. 

Warum gestaltet jede Klasse viele kleine Projekte und nicht ein großes? 
Da die Kinder von Anfang an Theater spielen, wird das Spiel vor Publikum vom Kind als Selbstverständlichkeit erlebt. So können die Klasse und jeder einzelne Schüler sich von Jahr zu Jahr entwickeln und die neu erworbenen Kompetenzen können immer wieder neu gestärkt werden. 

Was sind die wiederkehrenden Merkmale der Stücke?
Jedes Kind spielt eine Hauptrolle. Zudem ist das Thema ist mit der Lehrerin vor Beginn der Proben abgestimmt und wird dem Schulstoff oder der aktuellen Situation in der Klasse angepasst. 

Inwiefern unterscheiden sich die Theaterstücke je nach Klassenstufe?
In jeder Klassenstufe verändert sich der Fokus und das Ausgangsmaterial. Während in den ersten beiden Jahren oft ein Bilderbuch als Vorlage dient, wird in den dritten Klassen ein Stück erfunden, das thematisch sehr nah an der Erlebniswelt der Kinder ist. Die vierten Klassen arbeiten dann mit Fremdtexten, in der sechsten Klasse werden biographische Zugänge zum Theater gesucht. Zudem werden in jedem Jahr theatrale Mittel geschult und ausprobiert.

Die einzelnen Projekte in den Klassen:

Theater in der Schulanfangsphase (SAPH):
Selbstbewusst gemeinsam auf der Bühne stehen, laut sprechen, gemeinsam eine Geschichte erzählen, erfundene und vorgegebene Vorgänge wiederholbar machen und der Auftritt vor Publikum  - das sind die Ziele des viertägigen Theaterprojekts, das mit einer Aufführung abgeschlossen wird. Oft dient ein Bilderbuch als Vorlage für die Stückentwicklung (z.B. „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt"), es kann aber auch ein Thema wie "Zeit" gemeinsam mit den Kindern untersucht werden. Aber auch eine Reise zu unterschiedlichen erfundenen Planeten oder eine Erfinderwerkstatt sind mögliche Inhalte des Stückes. In jedem Jahr wird ein neues Thema bearbeitet. Wichtig ist, dass die Kinder das Stück mitgestalten und erfinden können, dies aber innerhalb einer vorgegebenen Struktur geschieht. Grundlage sind neben dem Thema Theaterspiele, die als inszenatorisches Mittel dienen. Sie verhindern Langeweile bei den Proben, da sich die Kinder eben im Spiel befinden. Das baut Hemmungen ab und steigert das Selbstbewusstsein, gerade dann, wenn vor Publikum gespielt wird.

Theater in der dritten Klasse:
Da die dritten Klassen nach der Schulanfangsphase neu gebildet werden, steht das gegenseitige Kennenlernen der Schüler im Vordergrund. Das Wir-Gefühl und der Klassenzusammenhalt werden durch das Theaterspiel und in der Inszenierung unterstützt. Bezogen auf die Inhalte bedeutet das: Die Klasse erlebt gemeinsam etwas Seltsames, sie haben ein Geheimnis, sie halten in einer schwierigen Situation zusammen...etc.
Das Stück entsteht am ersten Probentag zusammen mit den Kindern und der Theaterpädagogin, wobei diese vorab im Austausch mit der Lehrerin die Stückentwicklung so vorbereitet, dass die Kinder innerhalb einer gegebenen Struktur frei erfinden dürfen. Der Erlebnisraum der Kinder, i.d. R. das Winsviertel, die Schule aber auch ein magischer Moment prallen aufeinander, so dass gemeinsam mit den Kindern ein Spannungsbogen entwickelt werden kann. Da die Schülerinnen und Schüler sich selber schon zweimal auf der Bühne erlebt haben und einige Theaterregeln kennen, kann die Theaterpädagogin direkt in der ersten Stunde mit den Kindern inhaltlich arbeiten. 

Theater in der vierten Klasse:
Häufig wird von den Lehrern ein Projekt zum Thema Berlin gewünscht, da die Klasse im Sachunterricht dazu arbeitet. Im Unterschied zur dritten Klasse bilden nun Fremdtexte die Grundlage. (Das sind Bilderbücher aber auch Fremdtexte die nicht speziell für Kinder geschrieben wurden.) In Gruppenarbeit lesen die Kinder zum Beispiel verschiedene Berliner Sagen und überlegen dann gemeinsam mit der Theaterpädagogin, wie sie diese theatralisch übersetzen können. Eine Rahmengeschichte (z.B. die Geschichte der Schule, Berlin vor 100 Jahren, die Entstehung des Winsviertels, Visionen für Berlin etc.) wird von der Theaterpädagogin im vorherigen Austausch mit der Klassenlehrerin erarbeitet und mit der Klasse weiterentwickelt.

Theater in der sechsten Klasse:
Schwerpunkt ist hier das „biographische Theater“. Die Schüler schreiben vor dem Projekt einen Aufsatz etwa zum Thema „Ein Tag in meinem Leben als 30 Jährige(r).“ Aus diesen Texten generiert die Theaterpädagogin einen Anfangstext, den Plot des Stückes, der in diesem Fall mit der Zukunft der Kinder zu tun hat. Dies könnte ein Klassentreffen sein, bei dem sich die Schüler als Erwachsene bei der Anreise auf unterschiedlichen Flughäfen oder Bahnhöfen treffen, sich mal sofort, mal kaum erkennen, sich aus ihrem Leben erzählen. Das Projekt und das abschließende Stück handeln aber nicht nur von der persönlichen Zukunft. Es werden auch gesellschaftlich relevante Fragen gestellt: Wie wollen wir leben? Wie soll die Erde später aussehen? Was ist unser Anteil?

Kontaktdaten:

 

Sofie Hüsler

Theatermacherin / Theaterpädagogin

Christburgerstr. 10

10405 Berlin

 

mail: sofiehuesler@gmx.de

Abenteuer Theater, 2015 HEIDI IN DEN BERLINER BERGEN, Schlesische27